Aus, from, uit: “Die Westdeutsche Zeitung” 06-06-2000
Kultur in Krefeld
Die kunst sucht nach Ekstase
Von Michaela Plattenteich
Fünf sehr unterschiedliche Künstler vereint in einer gemeinsamen Ausstellung. So präsentiert sich die aktuelle Schau ,,Emulsionen" im Kunst-Spektrum der Gemeinschaft Krefelder Künstler (GKK). Allen gemeinsam ist, dass sie der Gruppe ,,Kunstinitiatief L5" in Roermond angehören die mit dem KunstSpektrum seit mehreren Jahren einen Künstleraustausch pflegt.
Die Werke der fünf Künstler verteilen sich über zwei Räume im Erdgeschoss und vier im zweiten Obergeschoss. So ist jeder Raum entweder ganz oder schwerpunktmässig einem Künstler vorbehalten. Den Auftakt bilden die Arbeiten von Esther Tielemanns, die in ihren Bildern die Natur und Alltägliches verarbeitet. Da wuchern etwa aus den Farbflächen Plastikblumen und -pflanzen heraus. Manchmal bleibt die Holzstruktur des Malgrundes sichtbar; collageartig fgt sich die Abbildung einer Wiese ein. Dann wieder erhebt sich eine Insel vor hellblauem Hintergrund. Es sind dies Räume und Orte der Fantasie, denen etwas Künstliches anhaftet. Für die Künstlerin verkörpert sich darin die Sehnsucht nach ekstatischen Augenblicken.
Malerei in mehr klassischem Sinn zeigen die Bilder von Ingrid Simons . Sie zeigen Alltagssujets, auch den Menschen, aber meist nur in Ausschnitten. Das kann ein Stück Wäsche auf der Leine sein oder ein Paar beschuhte Füsse die eine nicht weiter sichtbare Person auf dem Boden ausstreckt. Der Farbauftrag ist stets pastos, neben kräftigen Farben bevorzugt die Künstlerin auch Schwarzweiss.
Transparenz gilt dagegen für die Arbeiten von Martin van de Laar. Er arbeitet auch mit Übermalungen, die jedoch untere Schichten sichtbar lassen. Zwischen Abstraktem und Figürlichern changieren diese Bilder, etwas Fragmentarisch-Skizzenhaftes haftet ihnen manchmal an.
Farbe setzt er sparsam ein, doch wenn, dann ist auch mal ein kräftiges Blau dabei. Die Farbe allein bestimmt die Bilder von Mart Schobben. Seine monochromen Bildtafeln gestalten einen ganzen Raum. In Rot, Grün, Gelbgold aber auch Grau, Schwarz und Weiss sind diese verschieden grossen Bilder im Raum unterschiedlich platziert und setzten im Gegen- und Nebeneinander emotionale Prozesse frei. Ein Beil (,,De Wig") in der Wand ist Ausgangspunkt für eine Installation von Louk Kuijs, der grundlegende Fragen zur menschlichen Existenz stellt und Wege zu einer harmonischen Zukunft aufzeigen möchte (bis 24. Juni).
Aus, from, uit: Die Rheinische Post edition Krefeld
7-06-2000
KULTURSZENE KREFELD
Niederländische "Kunstinitiatief L5" stellt im Kunstspektrum aus
Emulsionen auf Top-Niveau
Von HANS-DIETER PESCHKEN
Sie sind wieder da, die Holländer. Zur dritten Ausstellung im "Kunstspektrum" der ,,Gemeinschaff Krefelder Künstler" haben die Künstlerkollegen aus Roermond, die ,,Kunstinitiatief L5" den Krefelder Gästen mitgebracht.
Fünf Leute sind es, die ihre Arbeiten an der St. Anton Strasse aufgebaut und aufgehängt haben. Martin van de Laar kommt aus Helmond und zeigt Malerei. Mal ungegenständiich, mal scheinen Baumstümpfe oder gestapelte Dosen erkennbar zu sein. Einiges ist monochrom, rechteckige Formen addieren sich zu Strukturen. Manche Motive sind mit weiss übermalt, Aufmerksamkeit verdienen die kleineren Formate, auf denen ihm ein meditatives Blau und ein blasses Rosa gelungen ist.
Louk Kuijs kommt ebenfalls aus Helmond. Auch er malt ungegenständlich, lässt aber entweder Linien oder Farben dominieren. Wo er Flächen grau in grau gestaltet hat, gibt es feine Übergänge. Auffallend ist seine Installation. Da stehen rote Schwammformen auf welligen Stangen mitten im Raum. In Holz gefasste ,,wege", rechtwinkelig an- gelegt, werden von zaunartig angeordneten Holzstäben eingefasst, die am oberen Ende gebogen sind. Auf sinnliches Erleben zielt das Ensemble offensichtlich nicht.
Vorwiegend Pflanzliches
Viel Platz nehmen die Bilder der aus Amsterdam kommenden Esther Tielemans ein. Vorwiegend Pflanzliches hat sie abgebildet, aber mit hintergründigem Witz. Über einer Palmenlandschaft scheint ein Konfettiregen niederzugehen, andere tropische Pflanzen werden mit dicken roten Punkten versehen. Fotos sind verarbeitet und verfremdet, und auf einem Bildgrund sind gar Gurken montiert. Das ist zwar spassig, aber mit System.
Die Möglichkeiten der monochromen Farbflächen hat Mart Schobben aus Sittard ausprobiert. Rote und grüne, graue und blaue FIächen hat er auf grössere und kIeinere Formate aufgetragen. Das wird nicht langweilig, weil ihm eine subtile Lebendigkeit gelungen ist, die dem Betrachter noch Entdeckungen ermöglicht. Aus dem Aussteller-Quintett herausragend sind die Malereien von Ingrid Simons aus 's Hertogenbosch. Pastos aufgetragene Farben, kräftig und gleichzeitig locker. Früchte von eigenartig modriger Vitalität und ein Lappen an der Wäscheleine faszinieren. Auch wegen des unorthodoxen Blickwinkels, mit dem auch Schuhe und Hosenbeine abgebildet wurden. Ein grossformatiges Interieur besticht durch seine Farbigkeit, und die Rückenansicht mit Lampe fordert fast zum Anfassen auf. Nicht zuletzt sind die weiss-grauen Kirchen-Ansichten zu erwähnen, in denen die Wuchtigkeit der sakralen Innenräume erfasst sind.
“Emulsionen" sind bis zum 24. Juni zu sehen. Montags und donnerstags, 16 bis 20 Uhr, samstags von 11 bis 14 Uhr.
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